In der Vollversicherung – dem Kerngeschäft – gibt es 2024 für die private Krankenversicherung (PKV) insgesamt ein klares Bestandswachstum. Die Assekuranzen performen aber sehr unterschiedlich. Es gibt deutliche Gewinner und Verlierer. Die Kapitalverzinsung ist bei vielen Anbietern auf „gutem“ Niveau. Das zeigt die „PKV-Zahlenanalyse 2024“ des Versicherungsmagazins. Analysiert wurden die Daten von 33 PKV-Unternehmen.

Zahntarife sind populärste private Zusatzpolicen

Bei den Zusatzpolicen brummt das Geschäft weiterhin. Hier erhöht sich der Bestand 2024 bei den teilnehmenden Gesellschaften um über 3,2 Prozent auf fast 30,2 Millionen Policen. Nur fünf private Krankenversicherer verzeichnen einen Abrieb bei Zusatzversicherungen. 28 Gesellschaften gewinnen am Markt. Der Top-Performer Allianz erhöht den Bestand um über 146.000 Versicherte, die Barmenia um fast 120.000 und die Gothaer um rund 107.000 Verträge. Zahntarife sind laut PKV-Verband die populärsten privaten Zusatzversicherungen. Hochgerechnet haben aber erst rund 20 Prozent der Bevölkerung eine solche Police abgeschlossen. Dabei gibt es für jeden Kundentyp ein passendes Angebot, wie die Stiftung Warentest in einer aufwändigen Analyse zeigt. Die Verbraucherschützer halten die zusätzliche Zahnversicherung für sinnvoll. Denn es könne jedem passieren, dass eine Behandlung mit Inlay, Zahnkrone oder Implantat irgendwann nötig wird und dann „richtig ins Geld geht“.

Vollversicherte: Die Gewinner und Verlierer

Insgesamt baut die Branche ihren Bestand im Brot und Buttergeschäft - nämlich bei den Vollversicherten - deutlich aus. Unter dem Strich erreichen die Unternehmen, die an der Analyse teilnehmen, ein Bestandswachstum von über 58.000 Versicherten, was knapp einem Plus von 0,7 Prozent entspricht. Doch es gibt bei den einzelnen Unternehmen deutliche Gewinner und Verlierer.

Zwar erhöht Marktführer Debeka mit 27.198 Vollversicherten seinen Bestand am stärksten. Doch kleinere Anbieter sind in der Relation zu ihrer Größe deutlich erfolgreicher. Das gilt etwa für Newcomer Ottonova. Das junge PKV-Unternehmen erhöht 2024 den Vollversichertenbestand um 3.570 Personen, das ist ein prozentuales Plus von über 65 Prozent. Mit fast 23 Prozent mehr Vollversicherten schneidet die ARAG gut ab. Sie erhöht den Bestand um 19.987 Vollversicherte. Und auch die Inter performt sehr erfolgreich. Der Bestand wächst um 22.934 Personen, was einem Plus von fast 19 Prozent entspricht. Von den 31 Versicherern, die eine Vollversicherung anbieten, können 15 ihren Bestand erhöhen.

Entspannung an der Zinsfront

Durch die gestiegenen Zinsen haben sich die Bewertungsreserven der PKV-Unternehmen in den Kapitalanlagen oft ins Gegenteil verkehrt. Viele Assekuranzen weisen nun stille Lasten aus. Negativ ist damit auch die Reservequote geworden, die das Verhältnis von Bewertungsreserve zum Buchwert beschreibt. Die Spanne am Markt ist aber nicht mehr so enorm. So weist die Vigo eine positive Quote von 3,7 Prozent und die Allianz von 3,4 Prozent aus. Auch Inter, Universa, Continentale, Arag, BBKK und Münchener Verein haben stille Reserven. Demgegenüber müssen 25 Unternehmen mit stillen Lasten kämpfen. An der Spitze weist Envivas eine Quote von minus 8,6 Prozent aus, bei der DEVK liegt das Minus bei 8,4 Prozent und bei der Gothaer noch bei 8,0 Prozent.

Diese Lasten sind aber kein Grund zu Beunruhigung, denn sie sind aller Voraussicht nach nur von vorübergehender Natur, weil eine Tilgung zum Nennbetrag zu erwarten ist. Daher teilt der PKV-Verband mit „Die PKV-Versicherer müssen in der Regel nun keine stillen Lasten realisieren und wegen der stillen Lasten auch nicht die Beiträge erhöhen.“ Lasten oder Reserven würden mit der Nähe zum Ablaufdatum des jeweiligen Papiers immer geringer und verschwinden zur Fälligkeit ganz. Die Versicherungsunternehmen warten in der Regel, bis die Fälligkeit erreicht ist. Daher sei die Auswirkung auf den Beitrag nahezu null, denn die erwartete Zinszahlung werde erhalten und das Geld sei zurück zur Wiederanlage. Im Gegensatz zu Lebensversicherern kennen PKV-Unternehmen zudem eigentlich keine Liquiditätsengpässe - notfalls können sie die Prämien erhöhen. Ein Kundenexodus ist kaum zu erwarten, da die Vollversicherten auf ihre Alterungsrückstellungen angewiesen sind und nach einiger Zeit kaum noch das Unternehmen wechseln können.

Mehr Informationen liefert die kompakte Kennzahlenübersicht, die das Versicherungsmagazin erstellt hat und im Novemberheft 2025 veröffentlicht.
Dargestellt werden 33 private Krankenversicherer.

Verfasst von: Uwe Schmidt-Kasparek